Name: Adrenogenitales Syndrom (AGS) / congenital adrenal hyperplasia CAH
OMIM: 202010 / 202110 / 201910 / 201810
Gen, Region: CYP11B1 / CYP17A1 / CYP21A2 / HSD3B2
Hintergrund
Unter dem Adrenogenitalen Syndrom werden verschiedene autosomal-rezessiv vererbte Defekte der Aldosteron- und Cortisolsynthese zusammengefaßt. Die daraus resultierende niedrige Blut-Cortisol-Konzentration bedingt eine Verschiebung der hypothalamischen Regulation der Hypophyse, die eine erhöhte Ausscheidung des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) bewirkt, mit der Folge der vermehrten Produktion von Androgenen und Desoxykortikosteron. Je nach dem zugrundeliegenden Defekt kommt es zu verschiedenen klinischen Ausprägungen: männliche Betroffene zeigen Makrogenitosomie, Pubertas praecox und Minderwuchs mit kräftiger Muskulatur. Weibliche Merkmalsträger zeigen Zeichen von Vermännlichung, Minderwuchs und Adipositas.
Es werden je nach betroffenem Enzym verschiedene Typen unterschieden:
- 21-Hydroxylasemangel (auch congenitale adrenale Hyperplasie; die mit über 90 % der Fälle häufigste Form); Gen CYP21A2: Pseudohermaphroditismus bei Mädchen, Hypogonadismus und Pseudopubertas praecox bei Knaben
- 11-ß-Hydroxylasemangel; Gen CYP11B1: Bluthochdruck, Pseudohermaphroditismus femininus, Pubertas praecox bei Knaben
- 17-Hydroxylasemangel; Gen CYP17A1: Bluthochdruck; primäre Amenorrhoe, fehlende sekundäre Geschlechtsmerkmale bei Mädchen, Pseudohermaphroditismus
- 3-ß-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel; Gen HSD3B2: Salzverlust; geringe Virilisierung bei Mädchen, Hypogenitalismus bei Knaben
Methodik
Bei 21-Hydroxylasemangel:
Sequenzanalyse des Gens CYP21A2 (10 Exons);
Untersuchung auf Mikrodeletionen in CYP21A2 mittels MLPA (Methodik s. u. „Subtelomerscreening“)
Sonst: Sequenzanalyse des entsprechenden Gens: CYP11B1 (9 Exons), CYP17A1 (8 Exons), HSD3B2 (3 Exons)
