Name: Charcot-Marie-Tooth
OMIM: s.u.
Gen, Region: s.u.
Hintergrund und Genetik
Unter dem Oberbegriff „Charcot-Marie-Tooth-Erkrankungen“ oder “Hereditäre motorisch-sensible Neuropathien (HMSN)“ werden eine Reihe von Erkrankungen des peripheren Nervensystems zusammengefasst. Entsprechend des klinischen Erscheinungsbildes und des Vererbungsmusters werden verschiedene Typen unterschieden, von denen die häufigsten in unserem Labor diagnostiziert werden können:
Charcot-Marie-Tooth Typ I (CMT1): Hierbei handelt es sich um eine demyelinisierende, neurale Form, die ca. 50% aller CMT-Formen ausmacht. Motorische NLG < 38 m/s, meist um 20 m/s. Die Vererbung ist autosomal dominant, selten rezessiv. Bei 70-80% dieser Patienten (Typ 1A) findet man eine Duplikation des Gens PMP22, in seltenen Fällen auch Punktmutationen in diesem Gen. Bei weiteren etwa 5 % (Typ 1B) liegt eine Punktmutation im Gen MPZ vor. In einigen Fällen wurden auch Mutationen in den Genen LITAF (Typ1C) und EGR2 entdeckt (Typ 1D).
Charcot-Marie-Tooth Typ II (CMT2): Hierbei handelt es sich um eine axonale, neurale Form, die ca. 20-40% aller CMT-Formen ausmacht. Motorische NLG > 38 m/s, oft normal oder nur leicht verlangsamt. Die Vererbung ist autosomal dominant, selten rezessiv. Es können verschiedenen Gene betroffen sein, unter anderem auch MPZ. Seit Kurzem geht man davon aus, dass das Gen MFN2 für 10-20% der Fälle von CMT2 verantwortlich ist (Typ CMT2A2, s. Referenz). Außerdem besteht im Phänotyp CMT2 oft Ähnlichkeit zu Typ X, so daß ein Test auf Mutationen im GJB1-Gen sinnvoll ist.
Charcot-Marie-Tooth Typ X (CMTX): Hierbei handelt es sich um eine Form, die mind. 10-20% aller CMT-Formen ausmacht. Der Phänotyp kann CMT1 oder CMT2 ähneln. Motorische NLG 25-45 m/s bei Männern. Die Vererbung ist X-chromosomal dominant, d. h. es sind Männer und Frauen betroffen, die Frauen allerdings mit leichteren, oft auch unbemerkten Symptomen. Bei 90% der CMTX- Patienten findet man eine Punktmutation im Connexin-32-Gen (GJB1).
Methodik
Je nach Anforderung erfolgt:
semiquantitative MLPA-Analyse auf Duplikation/Deletion im Bereich PMP22
- Charcot-Marie-Tooth Typ1A 118220 PMP22 (dup)
- Charcot-Marie-Tooth Typ1B 118200 MPZ
- Charcot-Marie-Tooth Typ1C 601098 LITAF
- Charcot-Marie-Tooth Typ1D 607678 EGR2
- Charcot-Marie-Tooth Typ1E PMP22
- Charcot-Marie-Tooth Typ2A 609260 MFN2
- Charcot-Marie-Tooth Typ2B1 605588 LMNA
- Charcot-Marie-Tooth Typ2C 606071 TRPV4
- Charcot-Marie-Tooth TypX1 302800 GJB1
Zuchner, S.; Mersiyanova, I. V.; Muglia, M.; Bissar-Tadmouri, N.; Rochelle, J.; Dadali, E. L.; Zappia, M.; Nelis, E.; Patitucci, A.; Senderek, J.; Parman, Y.; Evgrafov, O.; et. al.: Mutations in the mitochondrial GTPase mitofusin 2 cause Charcot-Marie-Tooth neuropathy type 2A. Nature Genet. 36: 449-451, 2004. Note: Corrigendum: Nature Genet. 36: 660 only, 2004.
