Name: DiGeorge, CATCH22, VCFS
OMIM: 100800
Gen, Region: 22q11.2
Hintergrund
DGS und VCFS sind klinisch sehr ähnliche Syndrome, deren Auftreten mit 1 von 4.000 Geburten recht häufig ist. Sie werden in den meisten Fällen durch Mikrodeletionen in der Region 22q11 auf Chromosom 22 verursacht, die zu einer gestörten Embryonalentwicklung der dritten und vierten Kiemenbogentasche führen. Dadurch sind eine Reihe von Organen betroffen, die aus diesen Strukturen hervorgehen. 75% der Patienten haben einen Herzfehler, wodurch Deletionen in 22q11zum zweithäufigsten Grund für angeborene Herzfehler nach dem Down-Syndrom zählen. Weitere Symptome sind neonatale Hypocalcämie mit tetanischen Krämpfen, typische faziale Dysmorphien (tiefsitzende, abstehende Ohren, Mikrognathie, Hypertelorismus, kleine Nase mit kurzem Philtrum, hoher Gaumenbogen bis zur Spaltenbildung) und häufig Entwicklungs-verzögerungen und Lernschwierigkeiten verschiedenen Grades. Die Unterentwicklung des Thymusgewebes kann durch Mangel an T-Lymphozyten zu vermehrter Infektanfälligkeit führen. Die Ausprägung der Defekte ist bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich.
Genetik
Neben der partiellen Monosomie der Region 22q11, die in 90-95% der DGS-Fälle betroffen ist, scheinen auch in Deletionen in anderen Regionen (z.B. 10p14, 4q22, 4q34, 17p13) zu einem vergleichbaren Phänotyp zu führen. Der Anteil an familiären Fällen wird laut einigen Untersuchungen auf ca. 20% geschätzt. Dabei sind die Überträger phänotypisch meist unauffällig bzw. zeigen nur Mikrosymptome. Deshalb ist beim Nachweis einer DGS-Mikrodeletion eine Beratung und ggf. Untersuchung der Eltern angezeigt, vor allem in Hinblick auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko bei weiterem Kinderwunsch. Für Mikrodeletionsträger beträgt die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe der Mikrodeletion 50%. Dabei kann das Kind einen sehr viel schwereren Phänotyp aufweisen als der betroffene Elternteil.
Methodik
Mittels MLPA (=multiplex ligation-dependent probe amplification; zur Methodik siehe unter „Subtelomerscreening“) werden Mikrodeletionen im typischen Bereich 22q11 erfasst. Durch die Verwendung von 11 verschiedenen Sonden kann das Ausmaß der Deletion genauer eingegrenzt werden. Gleichzeitig werden mit weiteren Sonden die o a. anderen Regionen überprüft, die für einen DGS-Phänotyp verantwortlich sein können.
