Name: Laktoseintoleranz, primäre
OMIM: 150220
Gen, Region: LCT
Hintergrund
Weltweit leiden etwa 50% der Bevölkerung an mehr oder minder ausgeprägter Laktoseintoleranz, die sich klinisch durch Unverträglichkeit von Milch oder milchhaltigen Lebensmitteln mit Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen zeigt. Oftmals gehen mit der Intoleranz für das Disaccharid Laktose auch unspezifische Symptome wie z.B. Kopfschmerzen oder auch Kreislaufprobleme einher. Drei Formen der Laktoseintoleranz lassen sich unterscheiden: 1. erworbener Laktasemangel (Laktaseproduktion lässt im Laufe des Lebens nach), 2. primärer Laktasemangel (der Organismus ist von Geburt an nicht in der Lage ausreichend Laktase zu bilden) und 3. sekundärer Laktasemangel als Folge von Darmerkrankung wie z.B. Morbus Crohn oder Zöliakie. Bisherige Verfahren (H2-Atemtest, Laktosebelastungstest) gehen mit einem hohem Aufwand und einer Belastung für den Patienten einher, insbesondere als Ausschlussdiagnose bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Bei Kindern ist ein solcher Test meist gar nicht möglich.
Indikationen für eine genetische Untersuchung sind: Darmbeschwerden, Blähungen, Diarrhoe, Unverträglichkeit von Milchprodukten, Verdacht auf Malabsorption, Ausschlußdignose bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Abdominalbeschwerden bei Kindern und familiäre Belastung (auch bei Osteoporose). Eine Differentialdiagnose ist die hereditäre Fruktoseintoleranz (s. dort).
Genetik
Laktoseintoleranz wird autosomal-rezessiv vererbt. In zwei finnischen Familien konnten im Enhancer-Bereich des Laktase-Gens (LCT) zwei Polymorphismen (-13910T>C und -22018A>G) entdeckt werden, die das Expressionsverhalten des Laktase-Gens steuern. Die homozygoten Genotypen C/C an der Position -13910 (bezogen auf das LCT-Startkodon) und G/G an der Position -22018 führen dabei zu einer Laktoseintoleranz.
Methodik
Genotypisierung beider Polymorphismen -13910T>C und -22018A>G mittels Primer-Extension-Verfahren (SnapShot).
