Name: Miller-Dieker Syndrom, – Lissenzephalie
OMIM: 247200
Gen, Region: 17p13.3
Hintergrund
Das Miller-Dieker-Syndrom ist charakterisiert durch eine schwere Lissenzephalie mit Agyrie, d. h. eine glatte statt gefurchte Großhirnrinde. Am Anfang der Schwangerschaft ist die Wanderung der Nervenzellen des Gehirns an die Hirnoberfläche gestört. Das führt zu schweren Entwicklungstörungen bereits im Uterus, so dass pränatal eine generelle Wachstumsretardierung mit Mikrozephalus beobachtet wird. Nach der Geburt zeigen die Kinder neben starker psychomotorischer Retardierung vielfältige Behinderungen wie z. B. Herzfehler in 65% der Fälle, Fehlbildungen im Urogenitaltrakt, Spastik und typische faziale Dysmorphien mit bitemporalen Eindellungen. Etwa 50% der betroffenen Kinder versterben bereits in den ersten 6 Monaten, vor allem die mit einem zusätzlichen Herzfehler. Nur wenige Kinder überleben das Kleinkindalter. Die Häufigkeit des Syndroms liegt bei etwa 1:50.000 Geburten.
Genetik
Bei 90 % der Patienten mit Miller-Dieker-Syndrom findet man Mikrodeletionen in einer kritischen 350kb-Region im chromosomalen Bereich 17p13.3, die meisten sind mikroskopisch nicht sichtbar. Dort wurde ein Gen LIS1 als verantwortlich für die Lissenzephalie entdeckt, bei isolierten Formen von Lissenzephalie gibt es auch Fälle mit Punktmutationen in diesem Gen anstelle der typischen Mikrodeletion. Für die fazialen Dysmorphien und die weiteren Anomalien der Miller-Dieker Patienten sorgen offensichtlich weitere Gene im deletierten Bereich. Das LIS1-Protein ist wahrscheinlich an der Signalübertragung in Nervenzellen beteiligt.
Eine nachgewiesene Mikrodeletion resultiert entweder aus einer de novo Chromosomendeletion oder kann die Folge einer unbalancierten Chromosomentranslokation durch die Vererbung von Mutter oder Vater sein.
Methodik
Untersuchung der kritischen Region im chromosomalen Bereich 17p13.3 auf Deletionen mittels MLPA. Auf Wunsch ist stattdessen auch eine FISH-Analyse möglich.
