Name: Muskeldystrophie Duchenne/Becker
OMIM: 310200, 300376
Gen, Region: DMD
Hintergrund
Verschiedene progrediente Erkrankungen der Muskelzelle mit Muskelatrophie und Fibrolipomastose im Endstadium werden zu den Muskeldystrophien gezählt. Die häufigste genetische Muskelerkrankung im männlichen Geschlecht mit einer Inzidenz von 1:3.500 ist die Duchenne-Muskeldystrophie (DMD), ein anderer Mutationstyp in demselben Gen für Dystrophin ist die Ursache für die Becker-Muskeldystrophie (BMD). Die Erstmanifestation der DMD liegt meist vor dem dritten Lebensjahr mit vezögerter motorischer Entwicklung und unsicherem Gang. Die Krankheit ist schnell progredient, wodurch die Kinder normalerweise mit 12 Jahren einen Rollstuhl brauchen. Die mittlere Lebenserwartung für DMD-Patienten liegt bei 20 Jahren, wobei respiratorische Probleme und Kardiomyopathie die hauptsächlichen Todesursachen sind. Die mildere Form BMD ist durch späteres Einsetzen der Symptome und eine mittlere Lebenserwartung von etwa 45 Jahren gekennzeichnet. Die CK-Werte sind bei DMD um mehr als das 10fache, bei BMD um mehr als das 5fache erhöht. In seltenen Fällen ist eine dilatative Kardiomyopathie das einzige Symptom einer Mutation im Dystrophin-Gen.
Weil es sich um X-chromosomal rezessive Erkrankungen handelt, sind fast ausschliesslich männliche Patienten betroffen. Allerdings zeigen auch 2,5-8% der heterozygoten Überträgerinnen klinische Symptome bis hin zu schwer verlaufenden Muskelerkrankungen und sie haben ein erhöhtes Risiko für Kardiomyopathie. Daher sollte auch bei Patientinnen mit ungeklärter Muskelschwäche der Konduktorinnenstatus für DMD überprüft werden.
Genetik
Das verantwortliche DMD- oder Dystrophin-Gen besteht aus 79 kodierenden Exons. Bei etwa 60% der DMD und BMD-Patienten kann eine Deletion einzelner oder mehrerer Exons dieses Gens nachgewiesen werden, bei 5-10% findet man Duplikationen. Die Deletionen und Duplikationen finden sich meist in zwei Hot-Spot-Regionen zwischen den Exons 2-20 und 44-53. Anhand der Feststellung, welche Exons betroffen sind, kann in den meisten Fällen mit hoher Sicherheit zwischen den Varianten Duchenne und Becker unterschieden werden. Bei DMD entsteht auf Grund der Mutation meistens ein verkürztes, funktionsloses Protein, während bei BMD ein verändertes, in der Funktion herabgesetztes Protein gebildet wird, wodurch sich der mildere Verlauf erklärt.
30-35% der Patienten haben Punktmutationen und Mikrodeletionen/Insertionen im DMD-Gen. Bei mindestens 30% der DMD/BMD-Fälle handelt es sich um Neumutationen ohne familiären Hintergrund.
Methodik
Nachweis deletierter und duplizierter Exons mittels MLPA . So kann auch der Konduktorinnenstatus von Frauen getestet werden.
