Name: Prader-Willi-Syndrom
OMIM: 176270
Gen, Region: 15q11-q13
Hintergrund und Genetik
Charakteristische Merkmale des Prader-Willi-Syndroms sind eine deutliche frühkindliche Muskelhypotonie mit Trinkschwäche, Entwicklungsretardierung, Minderwuchs, Hypogonadismus und typische Gesichtsmerkmale (z. B. dreieckiger, offener Mund). Eine ausgeprägte Hyperphagie führt meist zu starkem Übergewicht.
In den meisten Fällen entsteht das Syndrom durch eine Mikrodeletion auf dem Chromosom 15 väterlicher Herkunft. Da die betroffene Genregion der genomischen Prägung (Imprinting, s. u.) unterliegt, reicht die Deletion in einem Allel aus, um einen Defekt hervorzurufen. Wenn die Mikrodeletion in der gleichen Region auf dem Chromosom 15 mütterlicher Herkunft vorliegt, führt das zum klinisch deutlich unterschiedlichen Angelman-Syndrom (AS).
|
-
|
PWS
|
AS
|
|
Häufigkeit
|
1:10.000
|
1:15.000
|
|
Herkunft mutiertes/fehlendes Gen
|
paternal
|
maternal
|
|
Anteil mit del 15q11-q13
|
70-75%; 50-60% davon cytogenetisch sichtbar; Rest sind Mikrodeletionen
|
ebenso
|
|
Anteil mit uniparentaler Disomie (s. Angelman)
|
ca. 30% = 2 x maternal
|
ca. 7 % = 2 x paternal
|
|
Anteil mit fehlerhaften Imprinting (s. Angelman)
|
ca. 1 %
|
ca. 0,5 %
|
|
Anteil mit Mutation des UBE3A-Gens
|
-
|
ca. 11 %
|
|
Balancierte Translokation 15q11q13
|
< 1 %
|
-
|
|
Balancierte Translokation 15q11q13
Ungeklärte Ursache
|
-
|
10 %
|
Methodik
Stufe 1: Molekulargenetische Untersuchung des Methylierungsmusters (Methylierungsspezifische PCR). Dadurch werden 99% der PWS-Fälle entdeckt. Danach ist eine genauere Analyse wie folgt für die Ursachenforschung und das Wiederholungsrisiko nötig:
Stufe 2: FISH und cytogenetische Analyse zeigen Deletion bzw. Translokation.
Stufe 3: Uniparentale Disomie kann molekulargenetisch durch die Vererbung chromosomaler Marker nachgewiesen werden. Dazu ist DNA der Eltern nötig.
