Name: Rett-Syndrom
OMIM: 312750
Gen, Region: MECP2
Hintergrund
Das Rett-Syndrom ist eine progressive Encephalopathie, die fast ausschliesslich Mädchen betrifft. Im ZNS sind bestimmte Bereiche betroffen, nämlich die Basalganglien und hiervon insbesondere der Thalamus und die Substantia nigra. Typisch ist eine meist unauffällige psychomotorische Entwicklung in den ersten 6 bis 18 Lebensmonaten. Darauf folgt eine kurze Phase der Stagnation mit anschliessender schneller Regression der sprachlichen und motorischen Fähigkeiten. Charakteristisch ist der Verlust der sinnvollen Nutzung der Hände, stattdessen treten stereotype waschende Handbewegungen in Brusthöhe oder im Niveau des Mundes auf, oft kombiniert mit rhythmischen Bewegungen des Oberkörpers. Häufig findet sich Hypotonie, Autismus, Schreianfälle, Panikattacken, Unregelmäßigkeiten der Atmung, ataktischer Gang und Mikrozephalie durch vermindertes Kopfwachstum. In der weiteren Entwicklung tauchen bei den Patientinnen oft Dystonie, Hand-und Fußdeformitäten sowie Krämpfe auf. Die Körpergröße bleibt gering. Die Lebenserwartung ist nicht auffällig verringert, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für plötzliche, ungeklärte Todesfälle erhöht.
Generell ist die Variabilität der Symptome hoch, manche Frauen zeigen nur leichte Lernschwierigkeiten. Bei einigen mit Autismus diagnostizierte Patientinnen findet man eine Mutation typisch für Rett (s. u.), auch eine Symptomatik wie beim Angelman-Syndrom kann auf einer solchen Mutation beruhen.
Mit einer Häufigkeit von ca. 1:10.000 weiblicher Geburten stellt das Rett-Syndrom eine häufige genetische Erkrankung dar. Da die meisten Rett-Syndromerkrankungen sporadisch auftreten, sollte auch bei einer leeren Familienanamnese eine Untersuchung in Betracht gezogen werden.
Erst wurde angenommen, dass eine im männlichen Geschlecht vorliegende Rett-Mutation intrauterin letal sei. Jetzt sind allerdings schon einige Jungen mit solchen Mutationen gefunden worden, wobei das Spektrum der Symptome von mentaler Retardierung bis zu einer frühkindlich letalen Enzephalopathie reicht.
Genetik
Ursächlich für die X-chromosomal dominante Erkrankung sind Punktmutationen im MEPC2-Gen in der Region Xq28 (ca. 80% der Fälle) sowie Deletionen in diesem Bereich (ca. 16 % der Fälle ohne Punktmutation). MECP2 (Methyl-CPG-binding protein2-Gen) kodiert für einen in allen Geweben exprimierten Transkriptionsfaktor, der selektiv an methylierte CpG-Inseln bindet und die Transkription verschiedener Gene reprimiert.
Methodik
Sequenzierung des Gens MECP2 (4 Exons).
Überprüfung auf Deletionen mittels MLPA.
