Name: Simpson-Golabi-Behmel-Syndrom / Buldog Syndrom
OMIM: 312870
Gen, Region: GPC3
Hintergrund
Zusammen mit dem Beckwith-Wiedemann-Syndrom und dem Sotos-Syndrom ist das Simpson-Golabi-Behmel-Syndrom für einen Teil des erblich bedingten Gigantismus verantwortlich. Neben dem auffälligen prä- und postnatalen Großwuchs und der kräftigen Statur mit breiten, kurzen Händen und Fingern ist eine distinkte Gesichtsmorphologie für das Syndrom charakteristisch. Überzählige Mamillen, Herzfehler, vergrößerte Nieren, Gaumenspalten und postaxiale Polydaktylie kommen vor. Eine Intelligenz-minderung läßt sich i.d.R. nicht nachweisen. Eine erhöhte Neigung zu embryonalen Neoplasien, vor allem Wilms Tumor oder Neuroblastom bei jungen Patienten, wurde beobachtet. Die Variation der klinischen Manifestationen ist groß, von milder Ausprägung bis hin zu im Kindesalter letalen Formen. Durch die X-chromosomale Vererbung sind hauptsächlich männliche Patienten betroffen. Aber auch heterozygote Frauen können Symptome zeigen.
Genetik
Die Vererbung des SGBS erfolgt X-chromosomal-rezessiv. Ursächlich sind Punktmutationen und größere Deletionen im X-chromosomalen Glypican-3-Gen GPC3. Glypican-3 ist ein extrazelluläres Proteoglykan, das eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Größenwachstums im mesodermalen Gewebe spielt. Es scheint die Funktion des Wachstumsfaktors IGF2 zu modulieren, der beim Beckwith-Wiedemann-Syndrom überexpremiert wird. Daher haben diese beiden sehr ähnlichen Gigantismus-Syndrome offensichtlich den gleichen pathogenen Mechanismus.
Methodik
Sequenzierung des Gens GPC3 (8 Exons). Bei den meist männlichen Patienten werden dabei auch Deletionen erkannt. Bei weiblichen Patienten kann zur Detektion von Deletionen zusätzlich ein Screening mit MLPA (zur Methodik s. u. „Subtelomerscreening“) durchgeführt werden.
