Name: Spinocerebelläre Ataxien 1, 2, 3, 6, 17 (8, 12) / SCA
OMIM: 164400, 183090, 109150, 183086, 607136
Gen, Region: ATXN1, ATXN2, ATXN3, CACNA1A, TBP
Hintergrund
Die klinischen Erscheinungsbilder der über 20 verschiedenen spinozerebellären Ataxien überlappen sich und machen eine klare Diagnose aufgrund von klinischen Daten allein schwierig. Von den autosomal dominanten spinocerebellären Ataxien ist eine molekulargenetische Routinediagnostik möglich und sinnvoll bei SCA 1, SCA 2, SCA 3 (Machado-Joseph-Krankheit), SCA 6 und SCA 17.
Generell liegt eine Repeatexpansion eines CAG-Motivs im jeweiligen Gen vor. Die Pathogenese beruht auf einer neu erworbenen, schädlichen Funktion des verlängerten Polyglutamin-haltigen Proteins, die zur Neurodegeneration führt. Oft wird eine Antizipation beobachtet, d.h. die Zunahme der Repeat-Expansion mit einem daraus resultierenden früheren Krankheitsbeginn und einer schwereren klinischen Manifestation von Generation zu Generation, besonders bei der Vererbung durch die männliche Keimbahn.
Aktuelle Ergebnisse zeigen, daß etwa 3-4 % der Patienten über 50 Jahren, die Ataxie-Symptome zeigen, eine Prämutation für das Fragile-X-Syndrom (s. dort) zeigen. Daher sollte dieses sogenannte „Tremor-Ataxie-Syndrom mit Prämutation für fragiles X Syndrom“ (FXTAS) als Differentialdiagnostik zu den SCAs bei älteren Patienten in Betracht gezogen werden, vor allem wenn in der Familie Fälle von mentaler Retardierung bekannt sind.
| Typ | Genort | Symptome neben Ataxie |
| SCA1 | 6p22 | Chorea, Hyperreflexie, Neuropathie, Dysarthrie, Dysphagie |
| SCA2 | 12q24 | langsame Sakkaden, Tremor, Neuropathie |
| SCA3 | 14q24.3 | Pyramidenbahnzeichen, Ophtalmoplegie, Neuropathie, Dystonie |
| SCA6 | 19p13 | nahezu rein zerebelläre Ataxie |
| SCA17 | 6q27 | Chorea, Dystonie, Spastik, Parkinson-Syndrom, Demenz |
Genetik und Methodik
Nachweis der Expansion des repetitiven CAG-Motivs im jeweiligen Gen mittels PCR und Elektrophorese
Ggf. auch Analyse auf Vorliegen von FXTAS (s. Fragiles-X-Syndrom).

Häufigkeitsverteilung von SCA-Mutationen (aus: Neurogenetik; O. Rieß, L. Schöls)
